Operationsmethoden

Operationsmethoden

Restriktive Techniken

Magenballon (meist bei hohem Ausgangsgewicht; 180/200kg)

Magenband (früher häufig, jetzt seltener)

Gastroplastiken (nur mehr selten)

Sleeve (häufig)
Roux-en-Y-Magenbypass (häufig)

Restriktiv-Malabsorptive Verfahren

Biliopankreatische Diversion mit Duodenalswitch (selten)

Malabsorptive Verfahren

Biliopankreatische Diversion nach Scopinaro (selten)

Sonstige Verfahren

Magenschrittmacher (sehr selten)

Dünndarm-Bypass (sehr selten)

Magenballon:
Der Magenballon ist ein Ballon, der über die Speiseröhre ohne Operation in den Magen eingeführt werden kann. Wenn sich der Ballon im Magen befindet, wird er mit Wasser oder Luft gefüllt, sodass der Magenballon den Magen weder durch die Speiseröhre noch durch den Dünndarm verlassen kann. Durch den im Magen befindlichen Fremdkörper wird schon nach einer geringen Nahrungsaufnahme der Magen als gefüllt empfunden. Die Kosten des Magenballons liegen zwischen 2.500 und 4.000 € (je nach Klinik und Leistungsumfang) relativ hoch. Ein Magenballon sollte maximal sechs Monate im Magen verbleiben da das Material mit der Zeit spröde wird und mit einem Defekt des Ballons gerechnet werden muss. Ein unbemerkter „Abgang“ von Resten des Magenballons kann zu Komplikationen wie z.B. einem Darmverschluss (Ileus) führen. Gute Ergebnisse lassen sich erreichen wenn der Magenballon als unterstützende Maßnahme im Rahmen einer Ernährungsumstellung genutzt wird. Aus diesen Gründen wird diese Methode hauptsächlich bei Patienten eingesetzt, deren gesundheitliche Verfassung so schlecht ist, dass eine Vollnarkose zu risikoreich wäre. Diese Patientengruppe kann mit Hilfe des Magenballons abnehmen, um sechs Monate danach einen adipositas-chirurgischen Eingriff zu bekommen. In solchen Fällen kann auf Antrag auch die Kostenübernahme durch die Krankenkasse erfolgen. magenballon

Magenband:

Als hinreichend erfahren in Bezug auf das Magenband gilt ein Chirurg, der 50 Operationen durchgeführt hat. Der Hauptvorteil des Magenbandes ist seine praktisch vollständige Reversibilität, das heißt es kann auch wieder entfernt werden. Andererseits kann ein solches körperfremdes Implantat zu technischen Problemen führen (Leckagen des Schlauchsystems, Probleme durch Infektionen oder Verwachsungen außen am Magen, Verrutschen (Slippage), Vormagenerweiterung (Pouchdilatation), Probleme im Bereich des Ports (Infektionen, Verrutschen/Drehen der Portkammer, Abreißen des Schlauches etc.). Die genannten Komplikationen führen im Langzeitverlauf (10 Jahre) in etwa 30-50% der Fälle zu einer erneuten Operation die in der Regeln zur Magenbandentfernung und Umwandlung in einen Schlauchmagen (Sleeve-Resektion) führt. Für den operativen Eingriff selbst besteht einer sehr geringes Komplikationsrisiko (<1%) und die Operation kann grundsätzlich als ambulanter Eingriff vorgenommen werden sofern keine besonderen Kontraindikationen bestehen. Bei dieser Operationsmethode wird wie bei den anderen Verfahren der Körper in den Zustand eines Mangels versetzt. Durch die geringe Aufnahme an Nahrungsmitteln, besonders Fleisch und damit verbunden das Eiweiß, muss auch hier auf die Zufuhr von Vitaminen und Spurenelementen sowie Eiweiß geachtet werden! Meist wird die Einnahme eines Multivitaminpräparates einmal täglich empfohlen. magenband Gastroplastiken: Die Gastroplastiken nach Mason oder Eckhout gelten als obsolet. Ähnlich wie beim Magenband wird auch bei einer Gastroplastik ein kleiner Vormagen (Pouch) gebildet, der nur eine begrenzte Nahrungsmenge aufnehmen kann. Anders als beim Magenband wird der Durchlass (Stoma) zum Restmagen aber nicht durch die Implantation eines steuerbaren Magenbandes verengt, sondern durch Klammernähte, die den operativ ausgebildeten Pouch vom Restmagen bis auf einen kleinen Durchlass abtrennen. Diese Klammernähte werden mit Hilfe von Klammern aus Titan gesetzt und aus Sicherheitsgründen oft gleich mehrfach (meist vierfach) ausgeführt. Die Probleme mit dem Band, dem Port und dem Schlauchsystem können hier prinzipbedingt nicht auftreten. Auch gilt die Operation als technisch weniger anspruchsvoll als die Implantation eines Magenbandes und kann zudem billiger durchgeführt werden, weil das je nach Fabrikat bis zu 1.600 Euro teure Magenband nicht benötigt wird. In den letzten Jahren gibt es häufig Berichte über teilweise gerissene Klammernähte, die eine erneute Operation nötig machen um einen Gewichtsanstieg zu verhindern. Die Gastroplastik ist nur bedingt reversibel. Eine Feineinstellung des Stomas wie beim Magenband kann hier ebenfalls nicht durchgeführt werden. gastroplastik Sleeve: Daneben erlebt die Bildung eines Schlauchmagens „Sleeve-Resektion“ international einen enormen Aufschwung. Dabei wird unter Verwendung einer schlauchartigen Schablone ein Magenanteil entlang der großen Kurvatur reseziert. Die abgetrennten Magenteile werden im Unterschied zum Magenbypass entfernt. Die Nähte dieses Schlauches sind sehr anspruchsvoll, da diese sehr fein und dicht ausgeführt werden müssen, denn der Schlauch ist in der Regel sehr klein (100-150ml), so dass die späteren mechanischen Belastungen bei der Nahrungspassage recht groß sind. Dabei besteht die Gefahr der Stenose (1%). Der Magenschlauch („Sleeve“) wurde zunächst als erster Schritt der Zwei-Schritt-Methode bei Patienten mit einen BMI von größer als 60 kg/m² gemacht. Als zweiter Schritt erfolgt etwa 1-2 Jahre später und nach entsprechender Gewichtsreduktion die bilio-pankratische Diversion nach Scopinario-BPD, die dann das Zielgewicht erreichen soll. Vorteil bei dieser Zwei-Schritt- Methode ist die Verringerung des Operationsrisikos, Nachteil aber ist, dass hier zweimal operiert werden. Die Sleeve-Gastrektomie ist aber inzwischen als alleiniges adipositaschirurgisches Verfahren anerkannt. Die Gewichtsreduktion beträgt im Durchschnitt 70% (Verlust des Übergewichts) innerhalb der ersten 1-2 Jahre nach der Operation. Im Gegensatz zum Roux-en-Y-Magenbypass wird der physiologische Weg in der Nahrungspassage nicht verändert und eine Endoskopie des Schlauchmagens einschließlich Duodenum ist möglich. Hinsichtlich eines dauerhaften Bedarfs an Vitaminen und Mineralien ist nur von einer Substitution von Vitamin B12 auszugehen. sleeve Roux-en-Y-Magenbypass: Der Roux-en-Y-Magenbypass ist eine Technik, bei dem durch eine Verkleinerung des Magens eine Restriktion der Nahrungsaufnahme erzeugt werden soll. Zusätzlich wird auch hier die Darmpassage verkürzt, so dass es auch eine sehr geringe malabsorptive Komponente gibt. Man spricht deshalb von einer hauptsächlich auf Restriktion beruhenden Technik mit malabsorptiven Nebenwirkungen. Relativ gefürchtet beim R/Y ist das so genannte Dumping-Syndrom, die Übelkeit nach dem Konsum von Süßwaren. Die Gewichtsreduktion ist wohl bei vielen Patienten schneller und größer als beim Magenband, allerdings gibt es auch Berichte über Patienten, die wie beim Magenband nach mehreren Jahren wieder leicht an Gewicht zunehmen (in der Regel 5-10 % des verlorenen Gewichtes, dies gilt für alle OP-Verfahren mit Ausnahme des BPD). Wie bei allen Adipositaschirurgischen-Maßnahmen müssen lebenslang Vitamine, Spurenelemente und Eiweiß zugeführt werden. bypass Biliopankreatische Diversion mit Duodenalswitch: Der duodenale Switch (= duodenale Umstellung) basiert auf dem Prinzip der biliopankreatischen Diversion und ist eine Fortentwicklung dieser effektiven Technik. Beim „Duodenal Switch“ ist jedoch der Magenpförtner vorhanden, der ein „Dumping“ (Sturzentleerung von Zucker aus dem Restmagen mit nachfolgender Blutzuckerregulation und Nebeneffekten, wie Übelkeit und Schweißausbruch) verhindert. Der duodenale Switch ist die Weiterentwicklung des BPD. Diese Technik ist dem BPD in ihrer Funktion nicht ganz gleichwertig, besitzt jedoch den Vorteil, dass der Magenpförtner („Pylorus“) erhalten werden kann. Der Schlauchmagen hat ein Volumen von etwa 80-120 ml. Die Technik wurde ursprünglich von Tom R. DeMeester zur Behandlung des Gallerefluxes entwickelt. Der Duodenalstumpf wird verschlossen und das postpylorische Duodenum (Zwölffingerdarm) wird mit dem Ileum (Teil des Dünndarms) verbunden. Der sogenannte Common Channel beträgt dabei im Gegensatz zur Bilopankreatischen Diversion n. Scopinaro 100 cm. Im Jahr 1988 hat Douglas Hess (Bowling Green, Ohio) als erster Chirurg die Kombination mit dem BPD zur Gewichtsreduktion in „offener Technik“ vorgenommen. Die Ergebnisse hinsichtlich Gewichtsverlust und der Lebensqualität (Essverhalten) waren überzeugend. Michael Gagner (New York, USA) hat diesen Eingriff 1999 als erster Chirurg laparoskopisch durchgeführt. Wie bei allen Adipositaschirurgischen-Maßnahmen müssen lebenslang Vitamine, Spurenelemente und Eiweiß zugeführt werden. Biliopankreatische Diversion nach Scopinaro: Diese so genannte biliopankreatische Teilung (engl.: biliopancreatic diversion = BPD) stellt eine Weiterentwicklung des intestinalen Bypasses dar und wurde seit 1976 von Nicola Scopinaro in Genua (Italien) entwickelt, der eine beachtliche Patientenzahl (ca. 2000) im Langzeitverlauf überblickt. Sie hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Roux-en-Y-Magenbypass. Dabei handelt es sich um eine anspruchsvolle und wegen der möglichen Komplikationen nach der Operation und im Langzeitverlauf potentiell gefährlichere, in Bezug auf den Gewichtsverlust aber äußerst effektive Therapie. Das Prinzip beruht weniger auf einer Nahrungsrestriktion – Magenverkleinerung durch eine distale Gastrektomie – ähnlich dem Magenbypass – , das heißt die untere Magenteilentfernung mit Belassen eines Restmagens, das ein definiertes Volumen von 200 bis 250 ml aufweist – und einer Mangelverdauung. Neuerdings wird auch das verbleibende Antrum belassen. Die Rekonstruktion der Darmkontinuität erfolgt durch Verbindung des Restmagens mit ca. 200 cm distalem (unterem) Dünndarm, was einen raschem shunt in den unteren Dünndarm (Ileum) ermöglicht. Das Halten des Gewichtes erfolgt durch die biliopankreatische Diversion (Umleitung der Verdauungssäfte) über eine permanente, selektive Malabsorption (verringerte Aufnahme) für Fett und Stärke. Dabei wird der proximale (obere), ausgeschaltete Dünndarmanteil, der sämtliche Verdauungsfermente aus der Bauchspeicheldrüse und die Galle aus der Leber enthält, wiederum mit dem unteren Dünndarm verbunden, rund 50 cm vor dem Übergang in den Dickdarm. Der sogenannte Common Channel beträgt dabei dann 50 cm. Damit ist die resorptive Dünndarmfläche für Fette und Stärke, die den Verdauungssaft aus dem Pankreas und die Gallensäuren aus der Leber benötigen, so stark verkleinert, dass nur eine kleine Menge „verdaut“ und somit in den Körper aufgenommen werden kann. Die Eiweißaufnahme aus dem Darm hingegen erfährt geringfügigere Reduktion und einfache Zuckerverbindungen werden ungehindert aufgenommen. Wie bei allen Adipositaschirurgischen-Maßnahmen müssen lebenslang Vitamine, Spurenelemente und Eiweiß zugeführt werden. scopinaro Magenschrittmacher: Das zur Zeit angebotene System besteht aus einem implantierbaren Gastrostimulator (IGS) und einem Leitungsdraht sowie einem für den Arzt bestimmten Programmiergerät, Lesestift und Softwarepaket. Der IGS ist ungefähr so groß wie eine Taschenuhr (60 x 54 x 10,3 mm) und wiegt 55 g. Der Leitungsdraht hat einen Durchmesser von 3 mm und eine Länge von 38,5 cm. Die Indikationen sind dieselben wie jene zum Magenband. Ein zu erwartender Gewichtsverlust von maximal 30 Prozent lässt den Einsatz allerdings bei einem BMI > 45 fragwürdig erscheinen. Das System ist sehr teuer, da keine Kasse es bezahlt und zum Tausch der Batterien erneute Operationen notwendig sind.
schrittmacher

Dünndarm-Bypass:

Der reine Dünndarmbypass, bei dem lediglich der Dünndarm funktionell verkürzt wird und so die Verdauung der zugeführten Nahrung zum Teil verhindert werden soll (Malabsorption), gilt heute als überholt. Die Nebenwirkungen und Komplikationen mit teilweise tödlichen Folgen waren erheblich. Hierbei gibt es den Jejuno-Ilealen Bypass und den Jejuno-Colischen Bypass.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Adipositaschirurgie